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2,6 Milliarden Dollar soll heutzutage die Entwicklung eines Arzneimittels kosten

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Joe DiMasi, Tufts Universität Boston

Joe DiMasi, Forscher an der Bostoner Tufts-Universität hat nach 2004 neuerlich eine Studie über die Kosten, die für die Entwicklung eines neuen Arzneimittels investiert werden müssen, untersucht. Waren es vor zehn Jahren noch knapp über 800 Millionen Dollar für ein neues Medikament, so steigt die Zahl, laut der Studie, mittlerweile auf unglaubliche 2,6 Milliarden Dollar an. Diese gewaltige Kostenexplosion wird die Gesundheitssysteme wohl noch mehr unter Druck bringen, gibt aber auch weltweit Anlass für heftige Kritik.

So hat die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ noch bevor die Studie publiziert wurde, bereits mit einem wütenden Statement auf die Presseaussendung der Bostoner Universität  reagiert. Rohit Malpani, Director Policy an Analysis bei „Ärzte ohne Grenzen“ sieht die Forscher als Lakaien der Industrie und stellt gleichzeitig fest, dass sich das Bostoner Institut zu 40% aus Geldern der Industrie finanziere.

Rohit Malpani, Ärzte ohne Grenzen

Rohit Malpani, Ärzte ohne Grenzen

„Wer diese Zahl glaubt, glaubt wohl auch, dass die Erde eine Scheibe ist“, so Malpani in seinem Statement, es gebe realistische Studien, die die Entwicklungskosten auf knappe 200 Million Dollar schätzen würden. Malpani bezieht sich mit seinen Aussagen dann auch auf ein Statement des GSK-Chefs Andrew Witty, der erst kürzlich von einem Mythos gesprochen habe, dass Arznei-Entwicklungen Milliardenbeträge kosten würden.

DiMasi allerdings beharre auf seinen Zahlen, berichtet das „Manager Magazin online“. So habe er zwar zirka 1,2 Milliarden Dollar als „Zeitkosten“ eingerechnet und damit jene Kosten beziffert, die die Gewinne darstellen, auf die Investoren verzichten, wenn sie ihr Kapital in langfristige Pharmaforschung investieren, ganz erklären könne man damit die Kostenexplosion aber auch nicht. Er sehe die Steigerung viel mehr am Scheitern vieler Forschungsprojekte. Gerade einmal 7% würden es zur Zulassung schaffen. Aber auch die Verlagerung der Forschung in sehr komplexe biotechnologische Arzneien, seien mitverantwortlich für die hohen Forschungsausgaben, so DiMasi.

Ökonom Dean Baker sieht in den hohen Kosten wohl eher ein Versagen der Industrie. „Rasch steigende Kosten sind genau das, was man von einer Branche erwartet, die vor dem normalen Marktwettbewerb geschützt wird“ erklärt er in seinem Blog und spielt damit auf die durch Patentschutz garantierte Monopole an. „DiMasis große Zahlen können eher als Schuldspruch für die Pharmaindustrie gelesen werden denn als Argument für höhere Arzneimittelpreise“, findet Baker. Je teurer die von den Konzernen betriebene Forschung, desto stärker seien die Argumente, um nach öffentlich finanzierten Alternativen zu suchen.