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Bayer – vom Mischkonzern zum Lifescience-Profi

Bayer Zentrale in Leverkusen

Bayer Zentrale in Leverkusen

Dafür will der deutsche Traditionskonzern in den nächsten Jahren deutlich in Forschung und Entwicklung investieren, wie Vorstandschef Marijn Dekkers am Dienstag in Leverkusen vor Journalisten bekanntgab. Die 3,2 Milliarden Euro Forschungsausgaben von heuer, davon über 2 Milliarden im Humanmedizin-Bereich, dürften sich damit weiter erhöhen.

Im Lifescience-Bereich bündelt Bayer künftig die Humangesundheitssparte HealthCare, die Tiermedizin und die Agrarchemie CropScience. Dekkers begründete den Schritt mit der Vergleichbarkeit der Prozess: „Wir erzeugen ein Molekül, das in einen Organismus gebracht wird, und das mit einem biologischen Prozess interagiert.“ Als Beispiel nannte er Nematoden: Die Fadenwürmer können nicht nur Pflanzen, sondern auch Tiere und Menschen beflallen. Von dem Forschungswissen würden künftig alle Bereiche von Bayer profitieren, sagte Dekkers.

Derzeit hat Bayer 57 Wirkstoffe im Humanbereich in der Entwicklungspipeline, davon 18 in Phase III. Im kommenden Jahr sollen davon fünf „vielversprechende“ Kandidaten zur klinischen Testreife gebracht werden.

Bayer Vorstandschef Marijn Dekkers

Bayer Vorstandschef Marijn Dekkers

Parallel zu der Entwicklung neuer Therapien, soll das Geschäft mit freiverkäuflichen OTC-Arzneimitteln gestärkt werden. Laut Dekkers strebt der Konzern dort die globale Marktführerschaft an. Zu der Bayer-Sparte „Consumer Healthcare“ zählen bekannte Marken wie Aspirin, Alka-Seltzer oder Bepanthen, seit neuestem aber auch die Antiallergika-Marke Claritin, die das Unternehmen Anfang des Jahres im Rahmen eines Milliarden Dollar schweren OTC-Deals von der US-amerikanischen Merck & Co. (außerhalb Nordamerikas MSD) übernommen hatte. Inklusive BMS erreicht Bayer derzeit einen Börsenwert von rund 100 Milliarden Euro.

Im Bereich verschreibungspflichtiger Arzneimittel ist die Bayer-Pipeline vor allem mit Kardiologika gut gefüllt. Schon im kommenden Jahr könnten Phase-III-Studien mit Finerenone anlaufen. Der nichtsteroidale Mineralokortikoid-Rezeptorantagonist (MRA) wird zum Einsatz bei Patienten mit einer sich verschlechternden chronischen Herzinsuffizienz sowie zum Einsatz bei einer diabetischen Nephropathie erforscht. Durch die Rezeptorbindung soll der negative Einfluss von Aldosteron gehemmt werden. Im Gegensatz zu steroidalen MRA soll das Nebenwirkungsprofil von Finerenone deutlich günstiger sein. Gefürchtet sind bislang vor allem Hyperkaliämien.

Ebenfalls in die Phase III der Entwicklung gehen könnte Vericiguat, ein Nachfolger von Bayers Riociguat, einem Stimulator der löslichen Guanylatzyklase. Der Wirkstoff wird ebenfalls zum Einsatz bei Patienten mit einer sich verschlechternden chronischen Herzinsuffizienz erforscht.

Einen Entwicklungsfortschritt erwartet Bayer auch für Molidustat. Der Hemmstoff des Hypoxie-induzierbaren Faktors (HIF) Prolylhydroxylase (PH) soll beim kardio-renalen Syndrom zum Einsatz kommen. Durch die Therapie mit Molidustat soll die körpereigene Erythropoietin-Produktion verstärkt werden.
In der Onkologie-Sparte will Bayer mit Copanlisib wachsen. Der Inhibitor der Phosphatidylinositol-3-Kinasen hatte präklinisch eine breite Wirkung gegen verschiedene Tumorentitäten gezeigt. Derzeit wird er zur Therapie beim Non-Hodgkin-Lymphom erforscht. Bereits im September gestartet ist eine Phase-III-Studie mit ODM-201. Den Androgen-Rezeptormodulator entwickelt Bayer gemeinsam mit dem finnischen Biotech-Unternehmen Espoo. ODM-201 wird derzeit zur Therapie bei Männern mit einem kastrationsresistenten, nicht-metastasiertem Prostata-Ca und rasch ansteigenden PSA-Werten getestet.
Mit dem Wirkstoff Vilaprisan könnte sich außerdem Bayers Gynäkologie-Spektrum erweitern. Der Progesteron-Rezeptormodulator soll die Therapieoptionen bei symptomatischen Uterusmyomen erweitern.

Bayer will zukünftig noch mehr in Forschung investieren

Bayer will zukünftig noch mehr in Forschung investieren

Eine neue Applikationsform könnte laut Bayer in Zukunft womöglich die Therapie bei der feuchten altersbedingten Makuladegeneration (AMD) revolutionieren. Die Forscher wollen den VEGF-Rezeptorhemmer Regorafenib künftig als Augentropfen verabreichen und damit die bisher übliche intravitreale Injektion ersetzen. Regorafenib, das diverse Tyrosinkinasen hemmt, wird derzeit in der Tumortherapie eingesetzt. Für die Behandlung bei der AMD haben die Bayer-Tüftler eine ölige Suspension entwickelt, die den Wirkstoff über den Augapfel zur Retina transportieren soll. Erste Versuche sind laut Bayer vielversprechend. Eine Phase-II-Studie ist im Oktober 2014 gestartet. (nös)

(Fotos: Bayer)