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China treibt Liberalisierung des Pharmamarkts voran

Preisfreigabe in China?

Preisfreigabe in China?

In China, mittlerweile einer der größten Pharma-Märkte der Welt will der Staat dem Markt mehr Freiraum geben. Das Schweizer Börsenmagazin „cash“ berichtet, dass, laut der mächtigen chinesischen Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC), mit 1. Juni die Preisvorgaben für die meisten Medikamente aufgehoben werden sollen. „Wettbewerb soll die Handelspreise für Medikamente bestimmen“, schrieb NDRC. Bislang hatte der Staat Grenzen für die Preise von Medikamenten festgesetzt. Allerdings lässt sich die Behörde eine Hintertür offen, denn die Freigabe gilt nur solange sich die Preise in einem „angemessenen“ Rahmen bewegen. Zudem seien von der neuen Regelung Betäubungsmittel und spezielle Präparate zur Behandlung psychischer Krankheiten ausgenommen.

Vergangenes Jahr hatte die Behörde bereits die Preisvorgaben für bestimmte Medikamenten aufgehoben. Die neuen Maßnahmen könnten den Markt nun grundlegend umkrempeln. „Nach dieser Reform können Marktkräfte die Preise bestimmen“, gab sich Professor Chang Fengshui von der Pharmauniversität China zuversichtlich. Die Behörden würden sich künftig aus dem Markt zurückziehen und nur in Ausnahmefällen einschreiten, sagte Chang der renommierten Wirtschaftszeitung „Caixin“. Die großen internationalen Pharmakonzerne drängen seit Jahren auf eine weitere Liberalisierung des Marktes in China, ist das Land doch bereits zum zweitgrößten Pharmamarkt der Welt aufgestiegen.

Die Branche hat allerdings mit Problemen zu kämpfen. Ärzte und Krankenhauspersonal bekommen in den staatlichen Kliniken nur ein sehr geringes Einkommen. Seit Jahren galt es als übliche Praxis, dass sie ihr Gehalt über die Verschreibung teurer Medikamente aufbessern. Diesen Machenschaften versuchte die Regierung in jüngster Vergangenheit einen Riegel vorzuschieben. Laufende Ermittlungen gegen Kliniken und großen ausländischen Pharmaunternehmen haben den Markt nicht einfach gemacht. Ein Verfahren gegen den britischen Pharmariesen GlaxoSmithKline läutete eine Welle neuer Kontrollen unter den Arzneimittelproduzenten ein. Die EU-Handelskammer kritisierte jedoch, dass bei der Kampagne besonders ausländische Firmen in das Visier der Ermittler gerieten, während chinesische Produzenten kaum belangt würden.