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Gesundheitsgespräche in Alpbach

European Forum Alpbach 2012, Ursula Schmidt-Erfurth

Vizepräsidentin Schmidt-Erfurth eröffnete
die Gesundheitsgespräche Alpbach 2015

„Ungleichheit erzeugt Krankheit – Krankheit erzeugt Ungleichheit“ lautet das Generalthema der diesjährigen Gesundheitsgespräche vom 23. bis 25. August  im Rahmen des Europäischen Forums Alpbach (EFA). Experten aus Politik, Sozialversicherung, Medizin und Wirtschaft diskutieren über die Bedeutung von Ungleichheit für die Gesundheit der Menschen und für das Gesundheitswesen.  EFA-Vizepräsidentin Univ.-Prof. Dr. Ursula Schmidt-Erfurth warnte in ihrer Eröffnungsrede davor, das Gesundheitswesen zunehmend als Markt zu sehen. Der Patient sei durch das „Do not harm“ des Hippokratischen Eids besser geschützt als durch den Konsumentenschutz. Pharmig-Präsident Dr. Robin Rumler  wünschte sich zu Beginn der Gesundheitsgespräche nichts weniger als „Ergebnisse, die die Welt besser machen“. Von den seit 2011 im Rahmen des „Gremium Gesundheitsziele“ von Pharmig und Sozialversicherung gestarteten 36 Projekten, hätten einige ihren Ursprung in Alpbach gehabt.

Zukunft des Sozialstaats

Keynote Speaker der  Gesundheitsgespräche 2015 waren u.a. Prof. Scott Greer, School of Public Health der University of Michigan in Ann Arbor, USA, der für mehr Solidarität und Steuerung im Gesundheitswesen eintrat, und die aus dem klassischen Sozialstaat Schweden stammende Expertin Kajsa Wilhelmsson, Director of Health Policy & Market Access des Consulting-Unternehmens Daniel J. Edelman Limited, London. Für sie haben sich staatlich regulierte Gesundheitssysteme in den vergangenen Jahrzehnten als ineffizient in der Beseitigung von Ungleichheit erwiesen. Wilhelmsson sprach sich daher gegen den „Nanny-Staat“ aus und plädierte für mehr Markt sowie mehr Entscheidungsmöglichkeiten und stärkere Selbstverantwortung des Individuums. Die Zustimmung im Publikum dazu war enden wollend.

Die Frage, ob es in Österreich eine Zwei-Klassen-Medizin gibt, stellt sich für Österreichs einzige Professorin für Gesundheitsökonomie Univ.-Prof. Dr. Judith Simon, MedUni Wien, nicht mehr. Es gelte vielmehr zu hinterfragen, warum und in welcher Form sich die Zwei-Klassen-Medizin manifestiere. Als Indikatoren nannte Simon die Höhe der privaten Gesundheitsausgaben der Haushalte sowie die unterschiedlichen Wartezeiten, etwa auf elektive Eingriffe. Simon drängte aber nicht auf mehr – sondern auf eine bessere – Regulation des Gesundheitswesens durch den Staat.

Prof. Sir Michael Marmot, Institute of Health Equity, UCL Research Departement of Epidemiology and Health, London, zeigte in seiner Keynote Beispiele für den „Health Gap“ auf (so heißt übrigens auch sein im Herbst erscheinendes Buch). Viele Lösungen für Ungleichheiten seien nicht im Gesundheitswesen selbst zu finden, lägen aber sehr wohl in den Händen der Regierungen – die von der Bevölkerung gewählt werden.

30 Pioniere für Partizipation

Gruppenbildung in Alpbach

Auch heuer waren wieder viele Teilnehmer in Alpbach

Traditionell wird bei den Gesundheitsgesprächen in Alpbach an einem Halbtag in Kleingruppen intensiv zu brennenden Themen des Gesundheitswesens gearbeitet. Heuer stellten 30 „Gesundheitspioniere“ aus dem In- und Ausland ihre Lösungen zur Beseitigung von „Ungleichheiten“ im Gesundheitswesen vor und versuchten gemeinsame Forderungen an die Politik zu formulieren. Dabei kristallisierte sich der Wunsch nach mehr Partizipation der Betroffenen bei gesundheitspolitischen Entscheidungen als wesentlich heraus. Erfolgreiche Pionierprojekte sollten zudem abgesichert werden und nicht aus Geldnot beendet werden müssen.

Den Satz „Es gibt kein Schlusswort zum Thema Ungleichheit“, stellte Schmidt-Ehrfurth an das Ende der heurigen Gesundheitsgespräche.   SJ

www.alpbach.org