Menü

Interview: Jan Oliver Huber über die Änderungen im Verhaltenskodex

Dr. Jan Oliver Huber, Pharmig (c) Martin Stickler

Dr. Jan Oliver Huber, Pharmig
(c) Martin Stickler

pharmainside.at: Sehr geehrter  Herr Dr. Huber, die Pharmig hat in ihrer kürzlich stattgefunden Hauptversammlung den Verhaltenskodex neuerlich verändert und damit doch einigermaßen verschärft. Könnten Sie mir bitte kurz die wichtigsten Änderungen anführen bzw. wann treten die Veränderungen verbindlich in Kraft?
Die wesentlichen Neuerungen unseres Verhaltenskodex zielen auf die Erhöhung der Transparenz. Dafür wurde die Offenlegung von geldwerten Leistungen an HCP (Health Care Professionals, Angehörige der Fachkreise) und HCO (Health Care Insititutions, Institutionen von Fachkreisen) beschlossen.

Darüber hinaus gibt es sprachliche Anpassungen an das nationale Gesetz (AMG), wie etwa der Begriff „Vorteile“ anstelle von „Geschenken“ und „Repräsentationsaufwand“ anstelle von „Gastfreundschaft“.

Die VHC-Novelle 2014 tritt mit 1.7.2014 in Kraft. Die Offenlegung von geldwerten Leistungen ist ab dem Jahr 2016, rückwirkend für das Kalenderjahr 2015 durchzuführen. Diese zeitliche Verschiebung erklärt sich aus dem dafür nötigen Vorbereitungsaufwand für die einzelnen Unternehmen.

Ist man damit nun voll inhaltlich den EFPIA-Empfehlungen des vergangenen Jahres nachgekommen, oder bedarf es in naher Zukunft neuerlicher Anpassungen?
Ja, die VHC-Novelle 2014 entspricht inhaltlich sämtlichen EFPIA-Empfehlungen.

Stichwort „Transparenz“:  Bitte um Konkretisierung der Offenlegungspflicht. Sind mit den „Dienstleistungs- und Beratungshonoraren“ die Vortragshonorare der Ärzte gemeint? Gab es dazu Gespräche mit der Ärzteschaft?
Ja, Vortragshonorare von Ärzten fallen darunter. Diesbezüglich fanden und finden Gespräche mit der Ärztekammer statt und sind auch in Zukunft geplant. Ziel ist es, die Ärzteschaft über den Sinn und Zweck der Transparenz zu informieren. Denn: Transparenz schafft Vertrauen!

Bei der Offenlegungspflicht ist grundsätzlich zwischen Leistungen für einzelne Fachkreise und Institutionen von Fachkreisen zu unterscheiden. So sind etwa geldwerte Leistungen an einzelne Angehörige von Fachkreisen im Zusammenhang mit Veranstaltungen (Tagungs-, Teilnahmegebühren, Reise- und Übernachtungskosten) offenzulegen, ebenso Dienstleistungs- und Beratungshonorare.

Im institutionellen Bereich sind gezahlte Honorare oder Unterstützungen für Veranstaltungen ebenfalls transparent zu machen. In diesem Fall gilt diese Vorschrift auch für Unterstützungen an Dritte, die von einem Unternehmen mit der Durchführung einer Veranstaltung beauftragt werden. Darüber hinaus sind finanzielle oder materielle Spenden und Förderungen offenzulegen.

Stichwort „Werbung“: Wie sieht das Außendienstmaterial der Zukunft aus? Was darf überhaupt noch abgegeben werden?
Grundsätzlich gilt in Zukunft das Verbot von Vorteilen – ausgenommen davon sind zulässige Vorteile nach AMG und VHC. Konkret heißt dies, dass neben Kosten für Fortbildung (Teilnahmegebühr, Übernachtung, Reisekosten) nur Vorteile gewährt werden dürfen, die von geringem Wert und für die medizinische und pharmazeutische Praxis von Belang sind. Auch Außendienstmaterial muss diesen Anforderungen entsprechen.

Nicht-werbliche Information darf abgegeben werden, wenn sie von geringem Wert ist, einen Bezug zur beruflichen Praxis hat und der Patientenversorgung dient. Konkret geht es hierbei um Informations- und Schulungsmaterialien oder auch medizinische Gebrauchs- und Demonstrationsgegenstände zum Zweck der Fortbildung.

Bitte noch kurz um ein paar Sätze zur Information über das Internet. Raten Sie einem Pharmaunternehmen eine Facebook-Seite einzurichten bzw. auf social media-Seiten aktiv zu werden?
Unternehmen müssen sich bewusst sein, dass in social media die gleichen gesetzlichen Vorschriften (AMG, UWG) sowie VHC-Regeln gelten wie bei anderen Medien. Weiters müssen die Pharmakovigilanz-Verpflichtungen berücksichtigt werden (zB muss jeder Meldung über Nebenwirkungen nachgegangen werden). Der Auftritt in social media sollte jedenfalls in die internen Compliance-Prozesse eingegliedert werden. Dieser Kommunikationskanal verlangt auf jeden Fall viel Aufmerksamkeit und sollte nicht leichtfertig behandelt werden.