Menü

Novartis und Roche unter Verdacht

novartis180 Millionen Euro an Bußgeldern wurden letzte Woche den beiden Pharmakonzernen Novartis und Roche aufgrund wettbewerbswidriger Preisabsprachen von den italienischen Wettbewerbshütern aufgebrummt. Die beiden Schweizer Konzerne werden beschuldigt, zusammengearbeitet zu haben, um den Einsatz des Medikaments Avastin von Roche gegen die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) zu unterbinden. Beide Unternehmen weisen jeglichen Verdacht von sich und kündigen Berufung gegen das Urteil an. Mittlerweile ermittelt aber auch die Justiz wegen des Verdachts auf Betrug und Manipulation. Der römische Staatsanwalt Stefano Pesci habe, so berichtet die Schweizer „Blick“ letzte Woche, das Dossier mit den Dokumenten erhalten, welche die Wettbewerbsbehörde gegen beide Unternehmen gesammelt habe.

RocheHintergrund der Beschuldigungen sind die Substanzen Ranibizumab (Lucentis) von Novartis und Bevacizumab (Avastin) von Roche. Beiden Mitteln wurde in einer Vergleichsstudie 2011 bei der Behandlung der AMD gleiche Wirksamkeit in der Erhaltung der Sehschärfe attestiert. Während nun das Novartis-Mittel für die Indikation AMD eine gültige Zulassung besitzt, ist Avastin nur bei onkologischen Indikationen zugelassen und kann daher in der Indikation AMD nur im „Off-Label-Use“ eingesetzt werden. Soweit kein Problem, wäre da nicht ein beträchtlicher Preisunterschied, der zum Stein des Anstoßes führt. So fallen für Lucentis kosten von ca. EUR 1200 pro Injektion an, Avastin hingegen kostet vergleichsweise nur 50 – 60 EUR pro Spritze.

Weiterer Ungemach droht den beiden Unternehmen nun auch in Frankreich. Der Nachrichtendienst „Bloomberg“ berichtet von ähnlichen Ermittlungen der dortigen Wettbewerbsbehörden gegen die beiden Unternehmen.