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OLG Wien: Pneumokokken-Kampagne unzulässig

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Stein des Anstosses: Pneumokokken-Awareness-Kampagne

Der ÖVIH hatte u.a. mit Unterstützung von Pfizer eine „Awarenesskampagne“ zum Thema Pneumokokken gestartet. Unter der Schlagzeile „Für Erwachsene ab 50 sind Pneumokokken Thema“ gab es unter anderem Inserate in Printmedien und Werbespots in Rundfunk und Fernsehen. Der Impfstoff war darin nicht genannt. Gleichzeitig versandte der ÖVIH an Ärzte und Apotheker Informationsfolder mit der Überschrift: „Pneumokokken sind Thema für Ihre Patienten ab 50!“. Im selben Zeitraum bewarb Pfizer den rezeptpflichtigen Impfstoff Prevenar 13 in Fachmedien für Ärzte und Apotheker.

Das Oberlandesgericht Wien (OLG Wien) sieht jetzt in den Informationsmaßnahmen eine unzulässige Werbung im Sinn des Arzneimittelgesetzes (AMG). Durch die breit gestreuten Informationsmaßnahmen wurde für das OLG Wien nämlich die Gefahr einer Pneumokokken-Erkrankung ab dem 50. Lebenjahr blickfangartig ohne Hinweis auf die statistische Wahrscheinlickeit einer Infektion und die Zulassung von Prevenar 13 lediglich für invasive Pneumokokkenerkrankungen herausgestellt. Gleichzeitig machte Pfizer in der Apotheker- und Ärztekrone unter Hinweis auf die Impfaktion Werbung für den Impfstoff Prevenar 13.

Die „Informationen“ waren daher so zu verstehen, dass betroffene KonsumentInnen einen Arzt oder Apotheker konsultieren sollten, der bereits Adressat der Werbemaßnahmen war, die ihrerseits nicht auf das statistische Infektionsrisiko aufmerksam machten. Es ist naheliegend, dass die in den „Informationen“ verwendeten Angaben wie z.B. „Eine Pneumokokken-Erkrankung kann ihr Leben verändern!“ angesichts der verdünnten Informationslage geeignet sind, einen Kaufanreiz auszuüben, und zwar selbst unter Berücksichtigung, dass der Name des Impfstoffes erst erfragt werden muss.

„Es ist erfreulich, dass durch dieses Urteil indirekter Werbung für Arzneimittel Einhalt geboten wird“, sagt der zuständige Jurist im VKI Mag. Thomas Hirmke. „KonsumentInnen haben nach dem Urteil überdies Anspruch, über die Höhe des Erkrankungsrisikos der jeweiligen Altersgruppe informiert zu werden, was für die Entscheidung wesentlich ist.“

Pfizer Austria weißt in einer Stellungnahme darauf hin, dass das Urteil noch nicht rechtskräftig sei und man selbstverständlich die Details des Urteils juristisch prüfen lassen werde. Außerdem sei man überrascht, dass das OLG Wien mit seinem Urteil zur Gänze von jenem des Handeslgerichts Wien abweiche. Dort habe der ÖVIH und Pfizer zulässiges und korrektes Verhalten attestiert bekommen. Mag. Claudia Handl, Director Corporate Affairs bei Pfizer dazu: „Wir sind davon überzeugt, im Sinne der Konsumenten gehandelt zu haben. Es handelt sich unseres Erachtens nach um eine reine Awareness Kampagne zum Thema Pneumokokken, in der wir über die Möglichkeit einer Erkrankung informieren.“