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„Persönliche Außendienstbesuche sind den digitalen Kommunikationsformen nach wie vor überlegen.“

Ana Kostova, GEschäftsführerin von AstraZeneca Österreich

Ana Kostova, Geschäftsführerin von
AstraZeneca Österreich

pharmainside: Wie bewerten Sie das Verhandlungsergebnis der Pharmig zum Pharmarahmenvertrag?
Ana Kostova: Als Mitglied der Pharmig waren wir in die Verhandlungen eingebunden, und ich denke, dass wir trotz einer schwierigen Ausgangslage zu einer für alle Seiten befriedigenden Lösung gefunden haben. Mit dem neuen, dreijährigen Pharmarahmenvertrag, der ab 2016 gelten soll, erklärt sich die pharmazeutische Industrie zu einem Solidarbeitrag von 125 Millionen Euro bereit. Im Gegenzug war uns wichtig, dass sich ab 2017 die Solidarbeiträge am tatsächlichen Wachstum orientieren. Es ist ein gutes Signal, dass im Gesundheitswesen auch bei heiklen Verhandlungen konstruktive Lösungen möglich sind.

Wie sehen Sie aufgrund des doch beträchtlichen „Solidarbeitrags“ die Auswirkungen auf den Standort Österreich? Wird es zukünftig schwieriger, Budgetmittel für zB. Studien nach Österreich zu holen bzw. wird generell in Österreich noch maßgeblich in klinische Studien investiert?
Die Einigung auf einen neuen Rahmen-Pharmavertrag bedeutet einen Schritt zur Vermeidung von gesetzlichen Zwangsrabatten für Arzneimittel, die negative Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort gehabt und zur Verlagerung von Investitionen ins Ausland geführt hätten. In Folge wäre auch zu befürchten gewesen, dass die optimale Versorgung der Patienten mit Arzneimittel-Innovationen darunter gelitten hätte.

Was die Forschung betrifft: AstraZeneca ist ein forschendes Unternehmen. Wenn auch die großen Forschungszentren in Großbritannien, Schweden, den USA, Indien und Japan beheimatet sind, so trägt auch AstraZeneca Österreich mit etlichen national durchgeführten Arzneimittelstudien zur internationalen Forschung bei. Aktuell nehmen mehrere Tausend Patienten in heimischen Krankenhäusern und Ordinationen an klinischen Prüfungen teil. Durch die Platzierung dieser Studien kommen in vielen Fällen, im Prozess der Zulassung befindliche Therapien, österreichischen Patienten zugute. Und genau dieser Punkt kann nicht oft genug betont werden: Der Nutzen und die Investition in die Gesundheit der Bevölkerung steht im Vordergrund.

Apropos Studien, wie voll ist die Pipeline bei AstraZeneca und in welchen Indikationsbereichen wird geforscht? Dürfen wir mit der Einführung weiterer innovativer Arzneimittel in naher Zukunft rechnen?
AstraZeneca befasst sich mit Forschung, Entwicklung, Herstellung und Vermarktung verschreibungspflichtiger Medikamente in vier Kernbereichen: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, Diabetes und Onkologie. In diesen vier Therapiegebieten forschen wir intensiv an neuen Behandlungsoptionen.

Im Herz-Kreislauf-Bereich z. B. haben wir Anfang dieses Jahres bei einer sehr großen Studie (PEGASUSTIMI-54 Studie) mit unserem Thrombozytenaggregationshemmer Brilique® positive Ergebnisse erzielt. Dabei beschreiten wir einen völlig neuen Weg in der chronischen Behandlung nach einem Myokardinfarkt.

Ein großer Forschungsschwerpunkt ist der Onkologie gewidmet. Auch hier sind kürzlich Innovationen auf den Markt gekommen bzw. werden für die nächsten Jahre erwartet. Im ersten Quartal 2015 haben wir mit Lynparza® eine Erhaltungstherapie für Patientinnen mit BRCA-mutiertem, Platin-sensitivem Ovarialkarzinom-Rezidiv auf den Markt gebracht, so dass sich tatsächlich neue Hoffnungen für diese Patientinnen in der Zukunft ergeben. Zudem gibt es eine interessante neue Therapieentwicklung auf dem Gebiet des Lungenkrebses, aber auch einige neue Produkte u.a. in der Immunonkologie.

Zum Standort Österreich: Wie viele Mitarbeiter beschäftigt AstraZeneca derzeit in Österreich? 
Die österreichische Niederlassung von AstraZeneca hat ihren Sitz in Wien und beschäftigt rund 130 hochqualifizierte Mitarbeiter, die hauptsächlich in den Bereichen Sales, Marketing und Medical Services tätig sind.

Wie sehen Sie die Rolle des Pharmareferenten in der Zukunft? Wird AstraZeneca in 5 Jahren noch einen Außendienst für niedergelassene Ärzte beschäftigen bzw. ist hier die digitale Ansprache eine ernsthafte Alternative? 
Die Anforderungen an die Pharmareferenten sind – nicht zuletzt durch die Digitalisierung – in den letzten Jahren gestiegen. Ihre Aufgabe ist es, Ärzte durch fundierte Informationen dabei zu unterstützen, ihre Patienten bestmöglich zu behandeln. Auf unserer Agenda stehen die kontinuierliche Evaluierung bestehender Ressourcen und eine Anpassung der Marketing- und Vertriebsstrategien. Ich glaube, dass der klassische, persönliche Vertreterbesuch der digitalen Form der Kommunikation nach wie vor überlegen ist. Unsere Außendienst-Mitarbeiter kennen ihre Ansprechpartner in der Ärzteschaft vielfach schon seit Jahren, und aufgrund der langfristigen Bindung hat sich oftmals ein Vertrauensverhältnis entwickelt.

Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang und in der Ansprache des Arztes der „Verhaltenskodex“? 
AstraZeneca ist der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen und das Vertrauen der Gesellschaft, nicht nur in die Industrie, sondern vor allem in das Unternehmen selbst von größter Bedeutung. Zum einen gilt der österreichische Pharmig-Codex als unumgängliche Grundlage unseres Handelns. Zum anderen haben wir uns weiterführend einen anspruchsvollen, firmeninternen, globalen Verhaltenskodex auferlegt. Dieser soll gewährleisten, dass durch Transparenz, Integrität, persönlicher Verantwortung und einem respektvollen, ehrlichen Umgang miteinander, nicht nur das öffentliche Ansehen positiv verstärkt wird.