"Spiegel Online" nimmt ärztliche Leitlinien ins Visier

Das deutsche Nachrichtenmagazin Spiegel berichtet in seiner heutigen Online-Ausgabe über die "gefährlichen Tricks" die bei der Erstellung von Leitlinien für Ärzte Einzug gehalten haben sollen. Die Leitlinien, so der Bericht, seien offen für Manipulationen durch die Pharmaindustrie und die ärztlichen Gesellschaften stünden dem eher machtlos gegenüber .

spiegel_online_logo_460_64Spiegel Online führt für seine reißerische Headline eine kürzlich im Deutschen Ärzteblatt publizierte Studie von Gisela Schott und Bernd Mühlbauer – beide sind Mitglied der Arzneikommission der deutschen Ärzteschaft (AKdÄ) – an, die den „Einfluss pharmazeutischer Unternehmen auf Leitlinien anhand zweier Beispiele“ untersuchten. Die Studie nimmt dabei die Substanzen Gabapentin von Pfizer und Efalizumab von Merck Serono genauer unter die Lupe und prüft ob es hier zu Manipulationen der S3-Leitlinien gekommen ist. Bei beiden Substanzen, so die Autoren in ihren Ergebnissen, kam es zu Beeinflussung der Leitlinien, wenn auch aus gänzlich unterschiedlichen Gründen. Waren es bei Gabapentin die in den USA gerichtlich festgestellten Manipulation der Studiendaten durch den Hersteller die natürlich Einfluss in die deutschen Richlinien gefunden haben, so führte bei Efalizumab ein nicht frei von wirtschaftlichen Interessen stehendes Autorenteam (AWMF – Deutschland) zu günstigeren Empfehlungen gegenüber einem Autorenteam ohne Interessenskonflikt (NICE-Großbritannien).

Das Dilemma liege, so das Hamburger Magazin darin, dass viele der Experten die für die Leitlinienerstellung herangezogen werden, bereits in Forschungsprojekten mit den Pharmaunternehmen zusammengearbeitet haben und sich so bereits in einem Interessenskonflikt befinden. Ina Kopp, Leiterin des AWMF-Instituts betonte gegenüber Spiegel Online, dass die AWMF bereits 2010 eine im internationalen Vergleich sehr innovative Regel zur Darlegung von und zum Umgang mit Interessenkonflikten eingeführt habe und damit für entsprechende Transparenz sorge. Der Studienautor Bernd Mühlbauer hingegen fordert: „Es muss sichergestellt sein, dass zumindest der Hauptverantwortliche einer Leitlinie frei von einem Interessenskonflikt ist!“