Menü

100 Millionen Euro „geldwerte Leistungen“ verteilt

Es sind rund 100 Millionen Euro, die an sogenannten geldwerten Leistungen seitens der Pharmaindustrie an Ärzte und Angehörige der Institutionen der Fachkreise 2015 geflossen sein sollen. Das ergab eine erste Erhebung der Pharmig, die bereits vor der verpflichtenden Veröffentlichung der Zuwendungen am 30. Juni 2016 bei allen Unternehmungen die sich dem Verhaltenskodex (VHC) unterworfen haben, durchgeführt wurde. Unter den geldwerten Leistungen subsumiert sind dabei Leistungen im Zusammenhang mit Forschung und Entwicklung, Spenden und Förderungen, Veranstaltungen zum Zweck der Aus- und Weiterbildung sowie Dienst- und Beratungsleistungen. Etwa die Hälfte des Betrages falle, so die Pharmig in einem gemeinsamen Pressegespräch mit der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), auf Zuwendungen bzw. Investitionen im Zusammenhang mit klinischen Studien.

Dr. Karl Forstner, ÖÄK

Dr. Karl Forstner, ÖÄK

Dr. Karl Forstner, 1. Vizepräsident der ÖÄK, betonte dann auch in seinem Statement die Wichtigkeit der Zusammenarbeit zwischen Ärzte und Pharmafirmen in Hinblick auf die Forschung, aber auch bezüglich der ärztlichen Fortbildung. „Es gibt so gut wie keine öffentlichen Mittel für die verbindliche ärztliche Fortbildung“, so der Kammerfunktionär, „daher brauchen wir die Zusammenarbeit mit der Industrie.“ Klare Spielregeln für ethisches Handeln seien dafür aber Voraussetzung, so Forstner weiter, der auch betonte, dass die Ärztekammer und auch die Pharmaindustrie mit den jeweiligen strengen Verhaltenskodizes ihren Beitrag geleistet hätten.

Gesundheit: Diskussion rund um Apotheker-Vorschlag nach kontrollierter Selbstmedikation

Dr. Jan Huber, Pharmig

Dr. Jan Oliver Huber, Generalsekretär der Pharmig, erläuterte dann die Hintergründe der jüngsten Transparenzinitiative, mit der man europaweit das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Player im Gesundheitswesen wieder zurückzugewinnen wolle: „Mit Offenheit und Transparenz zeigen wir auf, wo, wie und in welchem Rahmen zwei wesentliche Partner zum Nutzen der Patienten kooperieren.“ Man habe im VHC ganz genau geregelt, wie diese Offenlegung zu erfolgen habe, betonte Huber, der auch darauf hinwies, dass diese Initiative einen immensen Aufwand für alle Mitarbeiter der Industrie bedeute.

 

Allerdings trübt das Datenschutzgesetz die vollständige Transparenz der Zuwendungen. So obliegt es jedem einzelnen Arzt, ob er seine Zustimmung zur Veröffentlichung seiner Daten im Zusammenhang mit der erhaltenen Summe erteilt, oder ob diese geldwerten Leistungen erst wieder  „nur“ aggregiert und somit dann doch wieder anonym auf den Homepages der Pharmafirmen zu finden, bzw. richtigerweise nicht zu finden sein werden. Man darf also gespannt sein, wie viele der Begünstigten auch den Mut haben, ihren Namen hinter die Summen zu stellen.