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USA: Generikahersteller im Visier der Justiz

Gab es unerlaubte Preisabsprachen in den USA?

Gab es unerlaubte Preisabsprachen in den USA?

Laut Neue Züricher Zeitung (NZZ) ist in den USA eine Anklage gegen namhafte Generikahersteller wie Mylan Pharmaceuticals, Actavis Pharma oder Sandoz in Vorbereitung. Der Generalstaatsanwalt des US-Bundesstaats Connecticut, George Jepsen hat demnach eine 240-seitige Anklageschrift vorbereitet, die durchaus Stoff für einen Thriller liefern könnte. Hintergrund sind angebliche Preisabsprachen der betroffenen Firmen, die zum Schaden der ohnehin mit Höchstpreisen leid geplagten amerikanischen Patienten geführt hätten.

Angeblich sollen sich Branchenvertreter regelmäßig nicht nur an Konferenzen, sondern auch im kleinen Kreis zum Mittag- und Abendessen, zu Partys, Golfturnieren getroffen haben, um sich ungestört auszutauschen zu können. Man wollte dabei anscheinend möglichst wenige Spuren hinterlassen. Außer im Gespräch unter vier Augen wurde laut der Anklage, der sich neben Connecticut 45 weitere Bundesstaaten angeschlossen haben, vorzugsweise auch per Telefon oder SMS kommuniziert.

Bereits im Juli 2014 wurden von Jepsen erste Untersuchung eingeleitet, da Preise diverser Generika im Gleichschritt unvermittelt in die Höhe geschossen waren. Schon damals wurden Preisabsprachen vermutet, die die Hersteller allerdings mit einer «Unzahl von Faktoren» wie verstärkten Zusammenschlüssen von Anbietern, oder Fabrikschließungen auf Geheiß der US-Gesundheitsbehörde begründeten.

Auch die Novartis-Tochter Sandoz ist im Visier der Justiz

Auch die Novartis-Tochter Sandoz ist im Visier der Justiz

Der Generalstaatsanwalt von Connecticut hatte zunächst Anklage gegen sechs Unternehmen, einschließlich der beiden „big player“ Teva Pharmaceuticals und Mylan, erhoben. Mittlerweile ist aber auch die Novartis-Tochter Sandoz, weltweit die Nummer zwei, und die beiden indischen Hersteller Dr. Reddy’s Laboratories und Sun Pharmaceutical Industries betroffen. Und es stehen zudem zwei individuelle Manager unter Anklage, Rajiv Malik, Mitglied der Konzernleitung von Mylan, und der Geschäftsführer von Emcure Pharmaceuticals.

Mylan weist alle Schuld von sich

Mylan weist alle Schuld von sich

Mylan wies in einer ersten Stellungnahme die Anschuldigungen entschieden zurück. Man habe angesichts der schon früher erhobenen Vorwürfe eine interne Untersuchung durchgeführt, dabei jedoch keine Anhaltspunkte für Preisabsprachen gefunden. Das Unternehmen stellte sich auch demonstrativ hinter seinen Topmanager Malik und sprach ihm tiefes Vertrauen aus. Auch Novartis sieht sich ohne Schuld und gab auf Anfrage der NZZ bekannt, dass es „unbegründete Behauptungen“ seien, denen man „energisch“ widerspreche. Das Unternehmen nehme seine wettbewerbsrechtlichen Verpflichtungen ernst.