Menü

Wie viel kostet die Entwicklung eines Krebsmedikaments?

Was kostet ein Medikament in der Entwicklung?

Was kostet ein Medikament in
der Entwicklung?

Knappe 650 Millionen US Dollar und keine 2,7 Milliarden, wie oftmals kolportiert, soll ein neues Krebsmedikament in der Entwicklung hin bis zur Zulassung kosten. Das fanden nun renommierte US Forscher in einer kürzlich online im JAMA Internal Medicine publizierten Studie heraus. Ist das Medikament einmal zugelassen, so stehen den Forschungsausgaben durchschnittlich 7-mal so hohe Einnahmen gegenüber.

Studienautor Vinay Prasad

Studienautor Vinay Prasad; Foto: Twitter

„Mit dieser Studie“ so Studienautor Vinay Prasad, MD, MPH, Abteilung für Hämatologie und medizinische Onkologie der Oregon Health and Science University, „wolle man einen Beitrag zur momentanen Preis-Diskussion von Arzneimitteln leisten.“ Unter dem Titel „Research and Development Spending to Bring a Single Cancer Drug to Market and Revenues After Approval“ untersuchte er gemeinsam mit Sham Mailankody, MBBS, vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center, New York den Werdegang von 10 für die Krebstherapie entwickelte Substanzen, die zwischen Jänner 2006 und Dezember 2015 von der FDA zugelassen wurden.

Herausgekommen sind viel niedrigere Entwicklungskosten als angenommen. Braucht eine neue Substanz immerhin durchschnittlich 7,3 Jahre bis zur Zulassung, so fallen dafür Kosten von lediglich 648 Millionen US Dollar an. Mit eingerechnet sind da bereits die von der Industrie immer wieder angeführten extrem hohen Kosten für Fehlschläge. Sieht man sich die Einnahmen eines Arzneimittels nach der Zulassung an, so braucht sich die Industrie – zumindest in der Krebsforschung – keine Sorgen um ihr Investment machen. Insgesamt erzielten die 10 Substanzen bis 2016 einen Umsatz von 67 Milliarden Dollar und somit eine mehr als Versiebenfachung des eingesetzten Geldes. Mailankody zu den Ergebnissen: „Die Erforschung neuer Substanzen ist für die pharmazeutische Industrie extrem lukrativ und die Kosten dafür rechtfertigen nicht unbedingt die hohen Preise für Medikamente.“

Viel Kritik ernten die Studienautoren von der Industrie. So erkennt zum Beispiel der deutsche vfa (Verband der forschenden Arzneimittelunternehmen) ein sehr fehlerhaftes Studiendesign mit falschen Berechnungen. Die österreichische Branchenvertretung Pharmig sieht in einer Stellungnahme gegenüber science.orf.at keinen Grund die Praxis zu verändern. Jan Huber: „Die Industrie forscht derzeit weltweit an 7.000 Molekülen. Diese Studie stellt nur einen kleinen Ausschnitt dessen dar, was tatsächlich stattfindet.“